LV-Analyse9 Min. Lesezeit

Was ist GAEB? Das Datenaustauschformat für Leistungsverzeichnisse einfach erklärt

GAEB ist der Standard für elektronische Leistungsverzeichnisse im Bauwesen. Welche Phasen es gibt, warum ohne GAEB keine Ausschreibung funktioniert und wie Sie GAEB-Dateien richtig nutzen.

BauAnalyst
BauAnalyst Redaktion
11. August 2026

GAEB: Der unsichtbare Standard hinter jeder Bauausschreibung

Wer im deutschen Bauwesen ein Leistungsverzeichnis elektronisch austauscht – zwischen Planer und Auftraggeber, zwischen Auftraggeber und Bieter, zwischen Bieter und AVA-Software – nutzt GAEB. Das Format ist so selbstverständlich geworden, dass viele es verwenden, ohne genau zu wissen, was dahintersteckt. Dabei lohnt sich ein genauer Blick: GAEB ist nicht nur ein Dateiformat, sondern ein durchdachtes System, das den gesamten Lebenszyklus eines Bauauftrags abbildet – von der Ausschreibung über die Angebotsabgabe bis zur Abrechnung.

Was bedeutet GAEB?

GAEB steht für Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen. Gegründet 1983 als Arbeitsgemeinschaft der deutschen Bauwirtschaft, hat der GAEB das Ziel, Standards für den elektronischen Datenaustausch im Bauwesen zu entwickeln und zu pflegen. Das bekannteste Ergebnis dieser Arbeit: das GAEB-Datenaustauschformat für Leistungsverzeichnisse.

Ohne GAEB sähe der Alltag auf deutschen Baustellen anders aus: Jeder Softwarehersteller hätte sein eigenes Format entwickelt, Leistungsverzeichnisse müssten zwischen verschiedenen Programmen manuell übertragen werden, Mengen und Preise würden bei jedem Systemwechsel neu eingegeben. GAEB verhindert genau das – es ist die gemeinsame Sprache, die alle Beteiligten verstehen.

Warum braucht man GAEB überhaupt?

Ein Leistungsverzeichnis besteht aus Hunderten, manchmal Tausenden Einzelpositionen – jede mit Positionsnummer, Kurztext, Langtext, Mengeneinheit, Menge und später einem Einheitspreis. Diese Daten von Hand zwischen verschiedenen Programmen zu übertragen wäre nicht nur zeitintensiv, sondern auch fehleranfällig. GAEB löst das Problem durch ein einheitliches, maschinenlesbares Format, das von praktisch jeder AVA-Software (Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung) importiert und exportiert werden kann.

Konkret bedeutet das:

  • Der Planer erstellt das LV in seiner Software (z. B. ORCA, iTWO, California, Nevaris) und exportiert es als GAEB-Datei
  • Der Auftraggeber kann diese Datei ohne Systemwechsel an mehrere Bieter versenden
  • Jeder Bieter öffnet die GAEB-Datei in seiner eigenen Kalkulationssoftware, trägt seine Preise ein und exportiert das Angebot wieder als GAEB
  • Der Auftraggeber importiert alle Angebote zurück in sein Programm und vergleicht sie automatisch – ohne eine einzige Zahl von Hand abzutippen

Die GAEB-Phasen: Von DA 80 bis DA 86

GAEB definiert verschiedene Phasen (auch "DA" für Datenaustausch genannt), die den Projektverlauf abbilden. Jede Phase hat einen eigenen Dateityp mit spezifischem Inhalt:

GAEB DA 80 – Ausschreibung ohne Preise
Das ist die Phase, in der der Auftraggeber oder sein Planer das Leistungsverzeichnis erstellt und an potenzielle Bieter versendet. Die Datei enthält alle Leistungspositionen mit Beschreibung, Menge und Einheit – aber ohne Preise. Der Bieter soll ja erst seine eigenen Preise kalkulieren und eintragen.

GAEB DA 83 – Angebotsabgabe mit Preisen
Nach der Kalkulation trägt der Bieter seine Einheitspreise in die GAEB-Datei ein und gibt sie als Angebot zurück an den Auftraggeber. Jetzt enthält die Datei dieselben Positionen wie in DA 80, aber mit den kalkulierten Preisen des Bieters. Der Auftraggeber kann mehrere DA 83-Dateien verschiedener Bieter direkt vergleichen.

GAEB DA 84 – Auftragserteilung
Hat sich der Auftraggeber für einen Bieter entschieden, wird das Leistungsverzeichnis mit den Preisen des Auftragnehmers als DA 84 gespeichert. Diese Datei ist die verbindliche Vertragsgrundlage – sie enthält genau die Positionen und Preise, auf die sich beide Parteien geeinigt haben.

GAEB DA 86 – Aufmaß und Abrechnung
Während oder nach der Bauausführung werden die tatsächlich erbrachten Mengen aufgemessen und in die GAEB-Datei eingetragen. DA 86 enthält nicht nur die kalkulierten Mengen aus dem Vertrag, sondern auch die real ausgeführten Mengen – die Grundlage für Abschlagszahlungen und die Schlussrechnung. Weicht die tatsächliche Menge von der Vertragsmenge ab (mehr als 10% nach § 2 Abs. 3 VOB/B), entsteht Nachtragspotenzial – das in derselben GAEB-Datei dokumentiert werden kann.

Weitere Phasen (DA 81, DA 82, DA 85, DA 90er-Reihe)
Neben den vier Hauptphasen gibt es spezialisierte Formate für Leistungskataloge (DA 81), Teilleistungen (DA 85) und Stammdaten (DA 90er-Reihe). Diese sind im Alltag seltener, spielen aber in größeren Projekten oder beim Datenaustausch zwischen Planer und Hersteller eine Rolle.

GAEB X81, X83, X84 – das XML-Format

Ursprünglich wurde GAEB als reines Textformat entwickelt (die sogenannten "D"-Formate: D80, D83 usw.). Seit den 2000er Jahren gibt es die modernere XML-Variante: GAEB X81, X83, X84 usw. XML ist strukturierter, leichter zu validieren und einfacher in moderne Softwaresysteme zu integrieren. Heute arbeiten die meisten AVA-Programme standardmäßig mit dem XML-Format – die alten D-Formate werden zwar noch unterstützt, aber nicht mehr aktiv weiterentwickelt.

Für Sie als Anwender ändert sich dadurch wenig: Ob eine Datei "projekt.d83" oder "projekt.x83" heißt, die Struktur bleibt dieselbe – nur die technische Umsetzung ist moderner.

Wie öffnet man eine GAEB-Datei?

GAEB-Dateien lassen sich nicht mit Word oder Excel öffnen – sie sind speziell für AVA-Software gemacht. Die gängigen Programme im deutschsprachigen Raum sind:

  • ORCA AVA (Dr. Schramm + Partner)
  • iTWO (RIB Software)
  • California (G&W Software)
  • Nevaris (Nemetschek)
  • ARRIBA (Nemetschek)
  • BauAnalyst (Import und Analyse ohne AVA-Vollsoftware)

Wenn Sie keine AVA-Software besitzen, können Sie GAEB-Dateien dennoch ansehen – entweder mit kostenlosen GAEB-Viewern (z. B. GAEB-Online Viewer) oder mit Tools wie BauAnalyst, die GAEB direkt importieren und analysieren, ohne dass Sie eine teure AVA-Lizenz kaufen müssen.

GAEB und VOB: Wie passt das zusammen?

GAEB ist das technische Format, VOB/C (die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen) ist der rechtliche Inhalt. Konkret: Ein GAEB-Leistungsverzeichnis sollte VOB-konform strukturiert sein – mit korrekten ATV-Verweisen (z. B. DIN 18300 für Erdarbeiten), sauberer Titelhierarchie und vollständigen Leistungsbeschreibungen. GAEB stellt sicher, dass diese Struktur zwischen verschiedenen Programmen erhalten bleibt – aber ob der Inhalt rechtlich sauber ist, prüft das Format nicht. Dafür braucht es entweder Fachwissen oder eine Software wie BauAnalyst, die den Inhalt einer GAEB-Datei automatisch auf VOB-Konformität prüft.

Typische Probleme mit GAEB-Dateien

Auch wenn GAEB ein Standard ist, tauchen in der Praxis immer wieder Probleme auf:

Inkompatible Versionen: Ältere Programme unterstützen manchmal nur GAEB 90 oder 2000, neuere setzen GAEB XML 3.2 oder 3.3 voraus. Beim Import einer neueren Datei in ein älteres Programm gehen Informationen verloren oder die Datei lässt sich gar nicht erst öffnen. Prüfen Sie vor dem Versand, welche GAEB-Version der Empfänger unterstützt.

Fehlende Textbausteine: Manche Programme exportieren nur Kurztexte, aber keine Langtexte – das macht die Leistungsbeschreibung unvollständig. Achten Sie darauf, dass beim Export alle Textfelder aktiviert sind.

Nicht standardkonforme Exporte: Einige Softwarehersteller weichen in Details vom GAEB-Standard ab – etwa bei Sonderzeichen, Umlauten oder der Struktur von Bedarfspositionen. Das führt zu Importfehlern in anderen Programmen. Im Zweifel hilft nur ein manueller Abgleich oder ein validierendes Zwischentool.

Keine Versionskontrolle: Wird eine GAEB-Datei mehrfach hin- und hergeschickt, verliert man schnell den Überblick, welche Version aktuell ist. Nutzen Sie eindeutige Dateinamen (z. B. "projekt_ausschreibung_v3_20260811.x83") und dokumentieren Sie Änderungen.

GAEB in der Praxis: Ein typischer Ablauf

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie GAEB den Projektverlauf strukturiert:

  1. Planungsphase: Der Architekt erstellt das Leistungsverzeichnis in ORCA und exportiert es als GAEB DA 80 (Ausschreibung ohne Preise).
  2. Ausschreibungsphase: Der Bauherr versendet die GAEB-Datei an fünf Bauunternehmen. Jedes Unternehmen importiert die Datei in seine Kalkulationssoftware (z. B. Nevaris, California, BauAnalyst), trägt Preise ein und exportiert das Angebot als GAEB DA 83.
  3. Vergabephase: Der Bauherr importiert alle fünf DA 83-Dateien zurück in ORCA und lässt die Preise automatisch vergleichen. Das günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Die Vertragsdatei wird als GAEB DA 84 gespeichert und an den Auftragnehmer übergeben.
  4. Ausführungsphase: Während der Bauarbeiten misst der Auftragnehmer die tatsächlichen Mengen auf und trägt sie in die DA 84-Datei ein – diese wird zur DA 86 (Aufmaß). Bei Mengenabweichungen oder Nachträgen werden neue Positionen ergänzt.
  5. Abrechnungsphase: Die finale DA 86-Datei mit allen aufgemessenen Mengen ist die Grundlage für die Schlussrechnung. Der Bauherr importiert sie zurück in sein System und erstellt die Zahlungsfreigabe.

In jedem Schritt bleibt die GAEB-Datei das zentrale Dokument – keine Medienbrüche, keine manuelle Übertragung, keine Exceltabellen als Zwischenlösung.

GAEB und KI: Automatische Analyse statt manueller Durchsicht

Eine GAEB-Datei kann zwar von jeder AVA-Software geöffnet werden – aber ob der Inhalt VOB-konform, vollständig und kalkulationssicher ist, zeigt sie nicht automatisch an. Hier setzt moderne KI-Software an: BauAnalyst importiert GAEB-Dateien direkt, analysiert jede Position auf VOB-Konformität, erkennt Pauschalklauseln, fehlende Mengenangaben und Nachtragspotenzial – und liefert das Ergebnis in unter 60 Sekunden. Das spart die stundenlange manuelle Durchsicht und verhindert, dass risikoreiche Positionen übersehen werden.

Fazit: GAEB ist mehr als nur ein Dateiformat

GAEB ist die technische Grundlage des gesamten Ausschreibungs- und Abrechnungsprozesses im deutschen Bauwesen. Ohne GAEB wäre der elektronische Datenaustausch zwischen Planern, Auftraggebern, Bietern und AVA-Programmen nicht möglich – zumindest nicht in der heutigen Effizienz. Wer versteht, wie GAEB funktioniert, welche Phasen es gibt und wo die Grenzen liegen, arbeitet nicht nur schneller, sondern auch sicherer. Und wer GAEB mit moderner KI-Analyse kombiniert, holt aus jeder Datei das Maximum heraus – rechtlich, kalkulatorisch und zeitlich.

Automatisieren Sie Ihre LV-Prüfung

Diese Analyse können Sie automatisieren

BauAnalyst prüft Ihr LV in 60 Sekunden auf alle VOB-Risiken, erkennt Nachtragspotenziale und generiert rechtssichere Dokumente auf Knopfdruck.

Kostenlos analysieren →
Keine Kreditkarte · Erste Analyse gratis

Weitere Artikel

LV-Analyse

Leistungsverzeichnis erstellen: So geht's richtig — und wie KI 90% der Arbeit übernimmt

Lesen →
LV-Analyse

Leistungsverzeichnis prüfen: So erkennen Sie versteckte Risiken vor der Angebotsabgabe

Lesen →
← Zurück zum Blog