LV-Analyse11 Min. Lesezeit

Leistungsverzeichnis erstellen: So geht's richtig — und wie KI 90% der Arbeit übernimmt

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Erstellen eines VOB-konformen Leistungsverzeichnisses: Aufbau, Positionen, GAEB-Format — und wie KI-Software den Prozess revolutioniert.

BauAnalyst Redaktion
28. Mai 2026

Was ist ein Leistungsverzeichnis und wer erstellt es?

Ein Leistungsverzeichnis (LV) ist das zentrale Vertragsdokument jedes Bauprojekts. Es beschreibt lückenlos, welche Bauleistungen in welchem Umfang zu erbringen sind — und bildet damit die Grundlage für Angebote, Abrechnung, Nachträge und im Streitfall für die gerichtliche Auseinandersetzung.

Traditionell erstellt das LV der Planer (Architekt, Ingenieur) im Auftrag des Bauherrn. Bei schlüsselfertigen Projekten, D&B-Verträgen und internen Projekten erstellt es aber oft auch das ausführende Unternehmen selbst. In jedem Fall gilt: Wer das LV schreibt, hat erheblichen Einfluss auf die Vertragsgrundlage — und damit auf das wirtschaftliche Ergebnis des Projekts.

Aufbau eines Leistungsverzeichnisses nach VOB/C

Ein rechtssicheres LV besteht aus mehreren Teilen, die alle vollständig ausgefüllt sein müssen:

1. Vorbemerkungen (Allgemeine Vertragsbedingungen)
Hier werden die rechtlichen Grundlagen geregelt: Geltung der VOB/B und VOB/C, Abweichungen von den ATVs, Regelungen zu Mengenabweichungen, Vergütung von Stundenlohnarbeiten und das Verfahren bei Leistungsänderungen. Die Vorbemerkungen sind der wichtigste, aber am häufigsten vernachlässigte Teil.

2. Titelhierarchie
Das LV wird in Lose, Abschnitte und Titel gegliedert. Typisch: Los 1 Rohbau → Abschnitt 1.1 Erdarbeiten → Titel 1.1.1 Aushub. Diese Gliederung ermöglicht es, Ausschreibungen teilweise zu vergeben und die Abrechnung sauber zu strukturieren.

3. Positionen (Einzelleistungen)
Jede Position beschreibt eine abgrenzbare Einzelleistung mit:

  • Positionsnummer (z.B. 01.01.0010)
  • Leistungsbeschreibung — vollständig, eindeutig, ohne Interpretationsspielraum
  • Mengeneinheit (m², m³, lfm, St., pauschal)
  • Menge (aus Plänen ermittelt)
  • Einheitspreis (wird vom Bieter eingetragen)
  • Gesamtpreis = Menge × EP

4. Bedarfspositionen und Alternativpositionen
Bedarfspositionen (B-Positionen) sind Leistungen, die möglicherweise benötigt werden — sie fließen nur bei Abruf in die Abrechnung ein. Alternativpositionen (A-Positionen) ermöglichen dem Auftraggeber die Wahl zwischen zwei technischen Lösungen.

VOB/C und die Allgemeinen Technischen Vertragsbedingungen (ATVs)

Die VOB/C enthält 44 Allgemeine Technische Vertragsbedingungen (ATVs) für verschiedene Gewerke. Jede ATV definiert, welche Leistungen im Einheitspreis enthalten sind (sogenannte Nebenleistungen) und welche gesondert vergütet werden.

Beispiel: In ATV DIN 18300 (Erdarbeiten) sind Wasserhaltung und Sicherung der Grubenwände als Nebenleistung definiert — sofern nichts anderes vereinbart ist. Wer das nicht weiß und diese Leistungen als separate Position ausschreibt, doppelt ab. Wer sie wegvergisst, bekommt keinen Nachtrag.

Die wichtigsten ATVs im Überblick:

  • DIN 18300 – Erdarbeiten
  • DIN 18301 – Bohrarbeiten
  • DIN 18303 – Verbauarbeiten
  • DIN 18310 – Sicherungsarbeiten an Geländeoberflächen
  • DIN 18330 – Mauerarbeiten
  • DIN 18331 – Beton- und Stahlbetonarbeiten
  • DIN 18332 – Naturwerksteinarbeiten
  • DIN 18334 – Zimmer- und Holzbauarbeiten
  • DIN 18338 – Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten
  • DIN 18350 – Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN 18360 – Metallbauarbeiten
  • DIN 18380 – Heizanlagen und zentrale Wassererwärmungsanlagen

GAEB: Das Standardformat für elektronische LVs

GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) ist der Standard für den elektronischen Austausch von Leistungsverzeichnissen in Deutschland und Europa. Ohne GAEB ist eine öffentliche Ausschreibung heute kaum möglich.

Die wichtigsten GAEB-Phasen:

  • GAEB DA 80 – Ausschreibung ohne Preise (Versand an Bieter)
  • GAEB DA 83 – Angebotsabgabe mit Preisen (Bieter → Auftraggeber)
  • GAEB DA 84 – Auftragserteilung (signiertes LV mit EP)
  • GAEB DA 86 – Aufmaß und Abrechnung

Alle gängigen AVA-Programme — ORCA, iTWO (RIB), California (G&W), ARRIBA (Nemetschek), Nevaris — können GAEB-Dateien importieren und exportieren. Ein LV, das nicht im GAEB-Format vorliegt, ist im professionellen Umfeld nicht verwendbar.

Die typischen Fehler beim manuellen LV erstellen

Selbst erfahrene Planer und Baukaufleute machen beim LV-Erstellen immer wieder dieselben Fehler:

Fehler 1: Unvollständige Leistungsbeschreibungen
„Mauerwerk herstellen" ist keine ausreichende Leistungsbeschreibung. Welcher Stein? Welche Druckfestigkeitsklasse? Welcher Mörtel? Welches Format? Unvollständige Beschreibungen führen zu Ausführungsstreitigkeiten und erschweren die Abrechnung.

Fehler 2: Fehlende Nebenleistungen ignoriert
Wer die ATVs nicht kennt, listet Leistungen als separate Positionen auf, die nach VOB/C bereits im Einheitspreis enthalten sind — und zahlt doppelt. Oder umgekehrt: Er listet Nebenleistungen nicht auf und wundert sich, warum der Bieter einen Nachtragsaufschlag fordert.

Fehler 3: Mengen ohne Planabgleich
Geschätzte Mengen ohne Grundlage aus aktuellen Plänen führen zu erheblichen Abweichungen. Mengenänderungen über 10% lösen nach § 2 Abs. 3 VOB/B automatisch Preisanpassungsansprüche aus — was teuer werden kann, wenn man das nicht einkalkuliert hat.

Fehler 4: Kein GAEB-Export möglich
Ein LV in Excel oder Word ist kein professionelles LV. Ohne GAEB-Export kann der Bieter die Preise nicht maschinell eintragen und das LV nicht in seine Kalkulation importieren — das kostet Zeit, Nerven und Fehler.

Fehler 5: Vorbemerkungen vergessen oder kopiert
Vorbemerkungen werden oft von alten Projekten kopiert und nicht angepasst. Das führt zu Widersprüchen zwischen Vorbemerkung und Einzelposition oder zu Klauseln, die für das konkrete Projekt gar nicht passen.

LV erstellen mit KI: So funktioniert es

Moderne KI-Software wie BauAnalyst ändert den Prozess grundlegend. Statt tagelanger manueller Arbeit läuft das LV-Erstellen in vier Schritten:

Schritt 1 — Bauvorhaben beschreiben: Sie beschreiben das Projekt in Ihrer eigenen Sprache: „Neubau Einfamilienhaus, 180m² BGF, Keller in Stahlbeton, Außenwände KS-Mauerwerk 24cm, WDVS 16cm, Flachdach 200m²." Kein Formular, keine Codes, kein Fachjargon nötig.

Schritt 2 — KI generiert das LV: Die KI kennt alle 44 ATVs der VOB/C und erstellt ein vollständiges, strukturiertes LV mit Titelhierarchie, Vorbemerkungen, Positionen, Mengenansätzen und Einheiten. Nebenleistungen werden korrekt eingeordnet — nicht doppelt ausgeschrieben.

Schritt 3 — Review und Anpassung: Das generierte LV wird im Browser angezeigt. Sie prüfen Positionen, korrigieren Mengen auf Basis Ihrer Pläne, ergänzen Besonderheiten. Die KI schlägt Alternativpositionen und Bedarfspositionen vor.

Schritt 4 — GAEB-Export: Ein Klick exportiert das fertige LV als GAEB X83 oder X84 — direkt importierbar in ORCA, iTWO, California und alle anderen AVA-Programme.

Zeitvergleich: Manuell vs. KI

Die Zeitersparnis ist erheblich:

  • Kleines LV (bis 50 Positionen): manuell 4–8h, mit KI ca. 20 Minuten
  • Mittleres LV (50–200 Positionen): manuell 1–3 Tage, mit KI ca. 60–90 Minuten
  • Großes LV (200–500 Positionen): manuell 3–7 Tage, mit KI ca. 3–4 Stunden

Selbst wenn man 50% der gesparten Zeit für Review und Qualitätssicherung ansetzt, bleibt eine Zeitersparnis von 70–85% — bei höherer Vollständigkeit und GAEB-Konformität.

Wann KI an Grenzen stößt

KI-generierte LVs sind ein starker Ausgangspunkt — aber kein Ersatz für Fachwissen. Diese Aspekte müssen Sie immer selbst prüfen:

  • Mengen: Die KI schätzt Mengenansätze — der Abgleich mit aktuellen Plänen ist Ihre Aufgabe
  • Standortbesonderheiten: Grundwasser, Bodenverhältnisse, Zugangsbeschränkungen — diese kennt die KI nur, wenn Sie sie beschreiben
  • Vertragsstrategie: Welche Klauseln Sie in die Vorbemerkungen aufnehmen, ist eine unternehmerische Entscheidung
  • Nachtragsgrundlagen: Bestimmte Positionsformulierungen schaffen Nachtragsspielraum — das setzt Erfahrung voraus

Fazit: LV erstellen in 2026

Ein Leistungsverzeichnis manuell zu erstellen ist nach wie vor handwerkliche Präzisionsarbeit — aber mit KI-Unterstützung muss man nicht mehr bei null anfangen. Die KI liefert das Grundgerüst: strukturiert, VOB/C-konform, GAEB-exportfähig. Der Fachmann — Planer, Baukaufmann oder Bauleiter — prüft, passt an und verantwortet das Ergebnis.

Das Ergebnis: Mehr Projekte in kürzerer Zeit bearbeiten, weniger Fehler, vollständige GAEB-Kompatibilität — und ein LV, das als solides Vertragswerk trägt.

Automatisieren Sie Ihre LV-Prüfung

Diese Analyse können Sie automatisieren

BauAnalyst prüft Ihr LV in 60 Sekunden auf alle VOB-Risiken, erkennt Nachtragspotenziale und generiert rechtssichere Dokumente auf Knopfdruck.

Kostenlos analysieren →
Keine Kreditkarte · Erste Analyse gratis

Weitere Artikel

LV-Analyse

Leistungsverzeichnis prüfen: So erkennen Sie versteckte Risiken vor der Angebotsabgabe

Lesen →
VOB/B

VOB-Nachtrag richtig stellen: Anspruchsgrundlagen, Fristen und typische Fehler

Lesen →
← Zurück zum Blog